Arbeit, Hochsensibilität, Persönlichkeitsentwicklung, Projektmanagement, Scanner*in

Zeitmanagement für hochsensible Scanner*innen: Durchgeplant oder intuitiv arbeiten?

Ob selbstständig oder angestellt, das Thema Zeitmanagement spielt beruflich genauso wie privat eine große Rolle. Heute teile ich in drei Schritten meine Erfahrungen mit dir.

1. Grundsätzliche Struktur und Regelmäßigkeit

Für mich funktioniert es weder „nur“ intuitiv zu arbeiten, noch komplett durchgetaktet meinen Alltag zu bestreiten. Wie so oft ist eine gesunde Balance das Ziel.

Dennoch ist für mich eine grundsätzliche Struktur, die für Regelmäßigkeit sorgt, unerlässlich. Dadurch kann ich strategische Ziele erreichen und widme mich nicht nur dem Tagesgeschäft wie Emails oder anderen To Do’s, die akut auftauchen. Ich plane Jahres- und Halbjahresziele und lege dann für jeden Monat ein paar To Do’s und Ziele fest, die ich auf die Wochen verteile und herunter breche.

Ich finde ein Glas gefüllt mit großen Steinen, kleine Kieselsteinen und Sand ist ein gutes Beispiel. Wenn du zuerst den Sand einfüllst ist kein Platz mehr für die wichtigen, großen Kieselsteine. Darum plane ich andersherum und mache zuerst Zeit für die großen, wichtigen Projekte und Termine und danach folgen die Kieselsteine und der Sand.

Regelmäßigkeit und Routine sind super wichtig, denn oft ist das Anfangen das Schwierigste. Das heißt, wenn ich mir zum Beispiel fest vornehme, jeden Dienstag und Mittwoch 2 Stunden Artikel zu schreiben, dann mache ich das auch und schreibe in dieser Zeit. Ob die Artikel dann gut sind und ich sie überhaupt veröffentliche, ist etwas anderes. Doch für viele Tätigkeiten ist eine Regelmäßigkeit wichtig und es ist wichtig die Schreibmuskeln (oder andere Skills) zu üben und regelmäßig dranzubleiben.

Wenn ich zum Beispiel aufhöre laufen zu gehen steigt die Hürde wieder anzufangen mit jeder Woche, die ich länger pausiere. Und wenn ich mal keine Lust habe und dennoch meine Laufschuhe anziehe und eine kleine Runde loslaufe, kommt die Lust und der Spaß oft erst nach dem Anfangen, daher ist es so wichtig regelmäßig anzufangen.

2. Ergänzung durch Intuition

Ich bin nicht der Meinung, dass Kreativität nur entsteht wenn ich inspiriert bin und quasi „von der Muse geküsst“, sondern ich kann auch kreativ sein, wenn ich es mir vorgenommen habe. Ich glaube eine Routine ist super wichtig, um kreativ zu sein. Dennoch finde ich es sehr wichtig intuitiv zu arbeiten und die To Do’s, die ich für die Woche oder den Monat festgelegt habe, relativ flexibel zu verschieben.

Warum? Selbstfürsorge ist für mich als hochsensible Person sehr wichtig und es gibt Tage, an denen ich mich „dünnhäutig“, verletzlich, ausgelaugt oder traurig fühle. Dann brauche ich oft ganz dringend Zeit für mich und wenn ich sie mir nicht nehme, fühle ich mich am Tag danach und danach wieder genauso. Das heißt, indem ich das Bedürfnis ignoriere wird es quasi nur noch „schlimmer“, daher finde ich, dass es auch meiner Produktivität zu gute kommt, wenn ich mir dann einen Tag komplett frei nehmen und mich um mich selbst kümmere.

Zudem ist es für mich persönlich am Tag wichtig, intuitiv zu entscheiden, ob ich meine Aufgaben direkt morgens erledigt und dann zum Beispiel Abends Sport mache oder umgekehrt. Ich blühe viel mehr auf, wenn ich meine Arbeitszeiten wirklich frei gestalten kann. Gleichzeitig achte ich darauf, dass das eben nicht heißt, dass ich nie Feierabend habe und 24/7 arbeite. Ich tausche quasi die Arbeitstage und Arbeitszeiten flexibel aus oder schiebe sie herum (soweit möglich).

Für mich persönlich als hochsensible Scannern ist es eine der wichtigen Dinge in meinem Arbeits- und Privatleben, dass ich terminlich flexibel und viel Freiheit habe. Daher möchte ich zum Beispiel in der Selbstständigkeit dann auch meine Freiheit nutzen und Termine verschieben oder absagen, anstatt du pushen, mich zu zwingen und durchzuziehen, wenn sich das gerade absolut falsch anfühlt.

3. Yin & Yan Energie – Leichtigkeit & Dranbleiben

Und wie schaffe ich dann trotzdem alle To Do’s, wenn ich mir auch mal einen ganzen Tag für mich frei nehme? Ich bin der Meinung, dass es sich lohnt weniger Stunden zu arbeiten und in dieser Zeit dann voll konzentriert und produktiv zu sein. Das heißt, ich finde, dass ich mit weniger Stunden dann im Endeffekt das Gleiche schaffen und erreichen kann.

Wieso? Wenn wir von der Arbeitswelt ausgehen, werden viele Stunden als Arbeitsstunden gezählt, die eigentlich mit prokrastinieren oder rumtrödeln verbracht werden. Meiner Meinung nach ist es als Mensch schwer 45 Stunden pro Woche zu arbeiten und gleichzeitig in Balance zu bleiben, sodass es dir auch körperlich und mental gut geht und du deine*n Arbeitgeber*in langfristig unterstützen kannst.

Das heißt ich finde es viel sinnvoller, die Zeit, die ich prokrastinieren würde aktiv frei zu nehmen und auch nicht so zu tun, als ob ich arbeite und die Zeit die ich arbeite vollkommen produktiv und auf den Punkt konzentriert zu verbringen.

Was ist überhaupt Arbeitszeit? Wenn ich im Bett liege, laufen gehe oder dusche und eine neue Idee entwickle, ist das dann auch Arbeitszeit? Wenn ich inspiriert bin, weil ich mich mit einer Freundin treffe, kann ich die Stunden aufschreiben?

Ich arbeite meist ungewollt in Wellen. Das heißt, ich treffe mich mit Menschen, lese etwas oder mache etwas ganz anderes und bekomme dabei Ideen und Inspiration. Danach arbeite ich dann einige Stunden oder den ganzen Tag super konzentriert und schaffe richtig viel, weil ich das quasi schon geplant oder ungeplant in meiner „Freizeit“ vorbereitet habe. Ich denke ich brauche immer Input und Output, das heißt nur zu produzieren funktioniert für mich genauso wenig wie nur zu konsumieren.

Früher habe ich viel im Yan, also in der männlichen Macher-Energie gearbeitet. Das heißt, es ging ums pushen, durchziehen, planen, festhalten, kontrollieren und dranbleiben. Ich finde allerdings, wenn ich öfter in der Yin, also der weiblichen Energie bin, ist es für mich viel leichter zum Beispiel kreativ zu sein. Insgesamt finde ich es wichtig beide Energien zu nutzen und zu versuchen, in der Balance zu sein. Zwischen „spielen“, ausprobieren, lernen und herumalbern und pushen, dranbleiben, machen und umsetzen.

Fazit

Zusammengefasst funktioniert es für mich als hochsensible Scannern also am besten, wenn ich eine Grundstruktur und Regelmäßigkeit habe, die ich durch intuitives arbeiten ergänze oder verändere. Dabei ist mir ein Mix aus dranbleiben & machen und loslassen & ausprobieren wichtig.

Insgesamt hat es mir sehr geholfen, mich selber noch besser kennenzulernen, denn dadurch, dass ich introvertiert und hochsensibel bin, weiß ich zum Beispiel, dass ich meine Termine mit Menschen über die Woche streuen muss und dazwischen Tage brauche, an denen ich alleine oder mit einer Person in einem Raum arbeite.

Ein paar Impulsfragen, die dir dabei helfen können, herauszufinden, wie du deine Zeit am besten an deine Bedürfnisse anpasst:

  • Wann bin ich am Produktivsten?
  • Was ist mein idealer Arbeitsplatz?
  • Was motiviert mich?
  • Wie komme ich am besten in den Flow?
  • Was kann ich machen, wenn ich keine kreativen Ideen habe?
  • Wie viel Energie kostet mich welche Aufgabe?
  • Wie sieht mein idealer Tag aus?
  • Bin ich eher chaotisch und brauche mehr Struktur? Oder bin ich so durchstrukturiert, dass mir mehr Flexibilität gut tun würde?

Was ist deine Erfahrung mit dem Thema Zeitmanagement im beruflichen und privaten Bereich? Wie klappt es für dich am besten, deine Termine und To Do’s zu planen und umzusetzen?

Meine Buchempfehlung zum Thema Kreativität und Routine ist das Buch „The Creative Habit: Learn it and use it for life“ von Twyla Tharp.

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