Scanner*in

Hü und hott – Widersprüchliche Wünsche als Scanner*in Persönlichkeit

Heute möchte ich darüber schreiben, wieso ich es inzwischen „normal“ finde, dass ich mich manchmal absolut nicht entscheiden kann und daher als Scanner*in Persönlichkeit widersprüchliche Wünsche habe.

Vielleicht kennst du das Sprichwort „Hü oder Hott“? Dabei geht es darum, den Zugtieren du sagen, ob sie loslaufen sollen bzw. in welche Richtung sie ziehen sollen. Hü steht für links und bei hott sollen sie nach rechts laufen. Umgangsprachlich bedeutet das Sprichwort, dass man sich für eine Sache entscheiden soll (bzw. muss), also ob es nach rechts oder links gehen soll.

Ich kann mich damit nicht ganz identifizieren und finde es zwischen wichtig, als Multitalent anzunehmen, dass ich eben manchmal 2 Dinge aus ganzem Herzen möchte, die vielleicht Gegenteile sind und auf den ersten Blick nicht zusammen passen. Geht es dir auch so?

Mein Wunsch: Unterwegs sein UND an einem Ort bleiben

Ein Beispiel von mir ist, dass ich je nach Woche, Tag und Laune entweder „nur“ an einem Ort wohnen bleiben möchte oder mir wünsche zu reisen oder im Ausland zu leben. Meine „Lösung“ dabei ist aktuell, dass ich gerne eine feste Homebase haben möchte in Norddeutschland und mir dann vorstelle z.B. nächstes Jahr circa 4 Monate im Ausland zu wohnen, um so beide Wünsche zu integrieren.

Ich denke, dass hinter jedem Wunsch ein Bedürfnis steht, das gesehen werden darf und bin inzwischen voll dafür diese Ambiguität anzunehmen und zu umarmen (da passt vielleicht das englisch Wort embrace besser!).

Ein anderes Beispiel ist, dass sich viele Menschen wünschen freiberuflich zu arbeiten, da sie sich ihre Zeit z.B. frei einteilen möchte. Gleichzeitig wünschen sie sich vielleicht Sicherheit und ein festes Einkommen. Auch diese Herausforderung und Wünsche hatte ich schonmal und habe mir damals überlegt, dass ich in Teilzeit angestellt arbeite und in Teilzeit selbstständig.

Was könnte eine „unrealistische Lösung“ sein?

Natürlich gibt es nicht für jedes Paradox eine Lösung, aber ich finde es lohnt sich, kreativ nach Möglichkeiten Ausschau zu halten und Dinge neu zu denken (und erstmal zu versuchen die „so macht man das“ Gründsätze dabei zu vergessen). Manchmal ist eine „Lösung“ dann vielleicht etwas unorthodox, macht dich als Scanner*in aber eventuell glücklich und ist genau das Richtige.

Ich finde es auch wichtig als Multitalent selbst anzuerkennen, dass ich meine Meinung manchmal ändere und mich nicht schlecht fühle wenn ich etwas „heute so“ und „morgen so“ sehe. Ich hab da schonmal als Art Abwertung gehört, dass ich ja ein „Wendehals“ sei. Inzwischen nehme ich mir so etwas nicht zu Herzen, denn ich glaube, dass im Prinzip viele Menschen manchmal auch ganz unterschiedliche und konträre Dinge möchten und sind eventuell einfach noch nicht bereit das zuzugeben oder zu leben. Das kann also auch ganz einfach eine Projektion sein.

Dass ich mir unterschiedliche Dinge Wünsche, die konträr sind, und manchmal Visionen für die Zukunft habe, die vielleicht noch nicht so ganz zusammen passen, bedeutet übrigens nicht, dass ich generell sprunghaft und unzuverlässig bin.

Ich bin total zuverlässig und halte Termine und andere Verpflichtungen ein, aber nur weil ich heute einen bestimmten Job ausübe oder ein bestimmtes Projekt umsetze oder an einem bestimmten Ort wohne, heißt das für mich eben nicht, dass es in Zukunft weiterhin so ist oder „immer“ so bleibt.

Es ist in Ordnung deine Meinung zu ändern und dir gegenteilige Dinge zu wünschen

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht und auch mit anderen Scanner*in Persönlichkeiten darüber gesprochen, dass es belastend sein kann, wenn man sich viele unterschiedliche Dinge wünscht und noch nicht weiß, wie man das alles (oder viel davon) „unter einen Hut“ bringen kann, darum möchte ich dir heute, falls es dir ähnlich geht, gerne mit auf den Weg geben, dass es in Ordnung ist so zu fühlen und du nicht zu jedem Zeitpunkt eine Lösung brauchst.

Ich bin also der Meinung, dass es wichtig ist, diese Ambiguität auszuhalten und ihr Raum zu geben. Vielleicht ergibt sich mit der Zeit eine Idee, die beide Gegenteile miteinander vereinbar erscheinen lässt. Falls das nicht der Fall ist kannst du auch immer noch erst das Eine machen und dann das genaue Gegenteile, also das Andere.

Vielleicht ist der April ein richtig passender Monat für alle Multitalente: Hagel und Sonne können gleichzeitig existieren und niemand wundert sich, wie und wieso das passiert oder was das soll.

Bei welchem Thema wünschst du dir eine für dich passende „Lösunge“ zu finden, um 2 scheinbare Gegenteile miteinander kompatibel in dein Leben zu integrieren? Ich freu mich von dir in den Kommentaren zu lesen!

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