Persönliches

Lass uns über Trauer sprechen | Trauer als hochsensible Person

Wenn es um Hochsensibilität geht, berufe ich mich gerne auf die Definition von Dr. Elaine N. Aron (darauf gehe ich in meinem Artikel „Hochsensibilität: Merkmale und Eigenschaften hochsensibler Menschen“ genauer ein). Sie beschreibt 4 Aspekte, davon ist ein Aspekt emotionale Intensität.

Diese emotionale Intensität habe ich heute besonders erlebt. Manchmal bin ich besonders dankbar für die Intensität, mit der ich Gefühle erlebe, da ich dadurch auch vor Lebensfreude sprühen kann, positive Energie verbreiten kann und bei tollen Momenten von anderen Menschen mitfühlen kann, wie gut es ihnen gerade geht.

Manchmal sind genau diese intensiven Gefühle natürlich auch eine Herauforderung, zum Beispiel beim Thema Trauer, so wie es heute bei mir der Fall war. Hier ein kleiner Einblick in meinen Tag:

7 Uhr, Montagmorgen. Ich checke meine Emails. Der Betreff der Email „Very sad news – read at home“ sagt mir eigentlich schon alles. Ein Freund von mir ist gestorben.

Ich weine und verbringe meinen restlichen Morgen damit ein passendes Trauergeschenk zu finden, da ich das Gefühl habe, irgendetwas machen zu wollen (auch wenn ich nicht wirklich viel machen kann und es nichts ändert).

Wie im Jahresrückblick erwähnt, wäre ich manchmal gerne uneingeschränkt und hätte zumindest theoretisch die Optuion, zu Freunden zu fliegen, die ich gerade gerne sehen würde. Geht natürlich alles gerade nicht auf Grund des Coronavirus. Finde ich heute besonders ungerecht.

Ich finde online tolle, stilvolle Trauergeschenke. Leider sind sie nur auf Deutsch, was für die Person, für die das Geschenk ist, leider nicht passend ist. Der Spruch „Etwas von dir bleibt für immer hier“ berührt mich.

Ich suche auf Etsy und anderen Shops auf Englisch und bin von der Auswahl erschlagen. Ich entscheide heute selbst eine Trauerkarte zu gestalten. Das wird mir guttun, denn kreative Prozess helfen mir generell, um Dinge zu verarbeiten.

Ich spreche mit meinen Eltern und schaue auf die Uhr. Es ist 9h. Oh, ich muss in einer Stunde eine Präsentation halten. Aber das wird schon. Wenn ich denken würde, dass ich es gar nicht hinbekomme ohne zu weinen oder mich überhaupt nicht konzentrieren könnte, würde ich absagen. Bei online Präsentationen bin ich nicht mehr so aufgeregt. Ich habe inzwischen in meinem Leben schon so viele Präsentationen gehalten, dass ich das auch auf Autopilot hinbekomme.

How are you, really?

Denke darüber nach, was ich heute sagen soll, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Vielleicht mit einer Gegenfrage? „Möchtest du eine ehrliche Antwort oder fragt du nur aus Gewohnheit/Höflichkeit?“

Zum Glück arbeite ich heute nur von zu Hause aus und kann einen Termin absagen bzw. verschieben und mir auch viel Zeit für mich nehmen.

Es liegt hier heute ganz viel Schnee in Norddeutschland. Irgendwie passt das Bild, was die Natur und die Bäume, so bedeckt abgeben, gerade genau zu meiner Stimmung.

Aktuell spiegelt die verscheinte Natur meine Gefühlswelt gut wider

Ich esse eine warme Suppe vor dem Ofen und bin meinem „Past Self“ dankbar, dass ich Suppe vorgekocht habe, die ich nur aufwärmen muss.

Ich denke darüber nach, was ich heute noch so machen will. Im Schnee spazieren gehen oder Yin Yoga machen erscheint mir passend. Kann mich nicht motivieren und entscheide mich für’s Duschen. Das ist gut für mich und ich fühle mich besser. War seit ich die Email heute morgen gelesen habe irgendwie total verpsannt, vor allem in der Schulter.

Vorhin war ich mit dem Auto unterwegs und habe mal wieder darüber nachgedacht, wie vergänglich das Leben eigentlich ist. Wir wissen, dass wir alle irgendwann sterben, keiner weiß wann genau und wie, aber im Alltag denken wir einfach selten darüber nach und verdrängen den Gedanken regelrecht.

Meine Gedanken schweifen weiter. Als ich noch in Kiel studiert habe, war ich mal mit einer Gruppe Studierender und einem Dozenten auf einem Ausflug. Irgendwie habe ich mit dem Dozent über das Thema Entscheidungen gesprochen und meinte, dass ich immer überlege, ob ich auch genau das jetzt so machen und so entscheiden würde, wenn ich nur noch ein Jahr leben würde. Er meinte zu mir, er fände das zu radikal und so kann man ja wohl nicht entscheiden.

Heute denke ich darüber nach, dass es vielleicht keine schlechte Idee ist, sich diese Frage ab und zu mal zu stellen. Ich möchte genau wie mein Freund am Ende auf mein Leben zurückblicken und sagen können, dass ich ein fantastisches Leben hatte. Wie wundervoll.

Entscheide mich ein bisschen zu arbeiten. Das gibt mir eine sinnvolle Tätigkeit und macht mir generell Spaß.

Ich glaube ich kann aus dem heutigen Tag viel lernen, gerade wenn es darum geht mutig zu sein und regelmäßig aus meiner Komfortzone zu treten, um einfach etwas zu machen, was mir Angst macht, aber was ich eigentlich wirklich will. Ich verschicke trotz allem zwei mutige Emails.

Ich entscheide mich diesen Blogpost anzufangen. Weine. Schreiben hilft mir zu denken und ich möchte nicht nur die schönen Momente mit dem Internet teilen, sondern auch über Tabuthemen sprechen. Schreiben hilft mir auch beim Verarbeiten und tut mir gut. Heute mache ich einfach alles, was mir gut tut.

Danke fürs Zuhören.

Wie geht’s dir gerade wirklich?

Jacqueline

PS: Mir ist vorhin noch eingefallen, dass ich in einer Podcastfolge schonmal u.A. über das Thema Trauererfahrungen bei hochsensiblen Menschen gesprochen habe. Falls du sie dir anhören möchtest, hier ist sie:

2 Kommentare

  1. Susanne Harms-von Postel

    8. Februar 2021 at 16:06

    Hallo Jaqueline,
    mit großer Begeisterung habe ich deine Beiträge gelesen. Ich bin ebenfalls hochsensibel und suche mehr Austausch zu anderen, denen es ähnlich geht. Würde mich freuen, von dir zu hören und dann auch mehr von mir erzählen.
    Liebe Grüße von Susanne

    1. Jacqueline Knopp

      8. Februar 2021 at 16:12

      Hallo Susanne,
      danke für deine Kommentar & das tolle Feedback. Das freut mich sehr! 🙂
      Ich bin gerade dabei einen neuen Blogartikel zu schreiben und versuche, regelmäßig im Blog, in meinem Podcast und ab und zu auch auf Instagram zu berichten.
      Liebe Grüße
      Jacqueline

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