Hochsensibilität, Persönlichkeitsentwicklung

Kommunikation für hochsensible Menschen: 5 Tipps um in Beziehungen besser zu kommunizieren

Heute möchte ich dir 5 Tipps für eine (noch besser) gelingende Kommunikation für hochsensible Menschen geben.

Wir haben viele verschiedene Beziehungen in unserem Leben: Zum Beispiel zu Familienmitgliedern, Partner*innen, Freunden, Bekannten, Chef*innen, Arbeitskolleg*innen, Kund*innen, Schüler*innen, Nachbar*innen und so weiter. Ein wichtiger Teil einer jeden Beziehung ist die Kommunikation zwischen beiden Personen, denn damit versuchen wir in Worte zu fassen, was wir denken, fühlen oder uns wünschen.

Konflikte sind natürlich und gehören für mich zum Leben und zu Beziehungen dazu. Dennoch finde ich es wichtig, sich selbst so klar wie möglich zu sein, in dem was man möchte und fühlt und auch möglichst klar zu kommunizieren, damit Missverständnisse und Streit auf Grund von Kommunikationsherausforderungen möglichst minimiert oder schneller geklärt werden kann.

Kommunikation für hochsensible Menschen: 5 Tipps

1. Jede Person ist für seine Gefühle verantwortlich.

Das hast du vielleicht schonmal gehört oder gelesen, aber ich möchte hier nochmal darauf eingehen, was dieses „Jeder ist für seine Gefühle verantwortlich.“ genau bedeutet und beinhaltet.

Wenn du beispielsweise gerne mit deiner/deinem Partner*in zusammen ein Workout machen möchtest (da du dich z.B. alleine gerade schlechter motivieren kannst) und dein*e Partner*in ablehnt bist du beispielsweise ganz alleine für deine Gefühle wie Ärger, Enttäuschung, Frustration oder Unmut verantwortlich. Wenn wir einen anderen Menschen etwas fragen sollte wir offen sein, ob er oder sie Ja oder Nein sagt, denn ansonsten ist es ja keine Frage.

In dem Moment darfst du dich also um dich selbst und deine eigenen Gefühle kümmern und bei dir bleiben. Du kannst dann z.B. den Unmut fühlen und entscheiden, was du für dich tun kannst und wieso es dir gerade wichtig ist, dieses Workout zu machen.

Dein*e Partner*in hat im gleichen Moment eventuell kurz ein schlechtes Gewissen oder fühlt Erleichterung gerade keine Verpflichtung für ein Workout eingehen zu müssen, da er/sie sich nicht danach fühlt und gerade kaputt ist und sich Ruhe und Zeit alleine wünscht. Das schlechte Gewissen ist also nicht nötig, da er/sie weiß, dass du für deine Gefühle verantwortlich bist und dich um dich selbst kümmerst und er/sie es genauso macht.

Wichtig ist dabei gerade für hochsensible Personen auch zu erkennen, dass andere Menschen „ihr Päckchen tragen können“ und es auch schaffen sich um sich und ihre Gefühle zu kümmern. Wir brauchen sie ihnen nicht abzunehmen. Das können wir auch gar nicht. Wenn du versuchst jemandem seine schlechten Gefühle abzunehmen hat er/sie sie immer noch mit dem einzigen Unterschied, dass du sie jetzt auch noch hast, weil du sie dir aufgeladen hast.

Falls du dich fragst, was ich mich Projektionen meine, ist vielleicht meine Podcastfolge „Was sind Projektionen und wie können sie uns helfen?“ interessant für dich.

2. Kontakt mit dir selbst

Mein zweiter Tipps ist es, Kontakt mit dir selbst zu suchen bevor (oder während oder nachdem) du mit jemandem gesprochen hast. Manchmal sprechen wir etwas aus oder äußern einen diffusen Wunsch ohne uns selbst darüber im Klaren zu sein, was wir eigentlich möchten, also was unser Bedürfnis ist, und warum wir es gerade haben.

Es kann sein, dass du eventuell nicht so gut in Kontakt mit dir selbst bist und deine unerfüllten Bedürfnisse zum Beispiel auf eine*n Partner*in von dir projierst und dir wünschst, dass er/sie erfüllt.

Wenn du selbst nicht genau weißt, was du möchtest oder dir wünschst, ist dies schwer dir selbst oder anderen Menschen gegenüber deutlich zu machen, daher finde ich es hilfreich in der Kommunikation mit anderen Menschen auch immer wieder bei mir selbst anzukommen und zu überlegen, warum ich gerade sage, was ich sage und wie es mir geht.

3. Ich-Botschaften senden

In meinem Blogartikel „8 Buchempfehlungen für Hochsensible, Multitalente und alle anderen“ habe ich u.A. ein Buch zur gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg empfohlen.

Für eine gelingende Kommunikation als hochsensible Person finde ich es hilfreich, Ich-Botschaften zu senden. Früher habe ich viele Sätze mit „Du machst xyz“ oder „Du könntest xyz“ begonnen. Das fühlt sich für den/die Gesprächspartner*in oft wie ein (kleiner oder großer) Angriff an und kann daher schlechter aufgenommen werden. Wenn ich ehrlich bin stecken hinter diesen Du-Botschaften auch eigentlich oft Dinge, die ICH möchte oder mir wünsche. Daher beginne ich viele Sätze jetzt z.B. mit „Ich würde mir wünschen, dass…“ und kann darin sehr gut das verpacken, was ich ansonsten in einer Du-Botschaft gesagt hätte.

Du kannst dich fragen: Welches Ohr pder welchen Mund benutze ich gerade?

4. Hinterfrage, auf welcher Ebene zu gerade sprichst

Vielleicht kennst du das Kommunikationsmodell mit den 4 Ebenen einer Nachricht von Schulz von Thun. Dabei geht es darum, dass bei einer Nachricht, also bei etwas, das du sagst, unterschiedliche Aspekte im Vorderung stehen können. Zum Beispiel kann es dir primär um den Sachinhalt gehen (also die Information an sich). Eine Nachricht kann aber ebenso eine Selbstoffenbarung sein und gibt also etwas über dich preis, das du gerne teilen möchtest. Eine Nachricht kann auch etwas über die Beziehung aussagen, zum Beispiel was ich von dir halte oder wie wir zueinander stehen. Die vierte Variante ist, dass eine Nachricht ein Appell sein kann, also eine Aufforderung zu etwas, d.h. ich möchte dich dazu bringen, etwas zu tun.

  • Sachinhalt
  • Selbstoffenbarung
  • Beziehung
  • Appell

Manchmal ist es also hilfreich, dich zu fragen, was gerade die Intention hinter etwas ist, das du zu jemand anderem gesagt hast. Auch ein „Der Bio-Mülleimer ist voll.“ oder „Wir müssen mal wieder Unkraut jäten.“ kann von deiner Seite aus eigentlich ein Appell sein, wenn du damit sagen möchtest, dass jemand anders bitte seiner Haushaltaufgabe nachkommen soll und den Müll ausleeren soll oder du denkst, dass du zwar „wir“ sagst, aber „du“ meinst, indem du also erreichen willst, dass die andere Person das Unkraut jätet.

5. Hinterfrage, mit welchem Ohr zu gerade zuhörst

Genauso wie es dir 4 Ebenen einer Nachricht im Bereich des/der Senders*Senderin gibt, gibt es sie beim/bei der Empfänger*in.

  • Sach-Ohr
  • Beziehungs-Ohr
  • Selbstoffenbarungs-Ohr
  • Appell-Ohr

Auch hier lohnt es sich genau hinzuhören oder das, was du gerade gehört hast, nochmal mit einem anderen Ohr zu prüfen. Was hast du verstanden? Was könnte die Person auf einer anderen Ebene gesagt haben?
Zum Beispiel passiert es meiner Erfahrung nach regelmäßig, dass jemand von sich spricht und eine Erfahrung teilt (es geht also um eine Selbstoffenbarung) und die andere Person mit dem Beziehungs-Ohr zuhört und zum Beispiel etwas Negatives versteht, indem ein „Mir geht es heute gar nicht gut, ich bin so erschöpft. Ich möchte heute doch kein Abendessen mit dir kochen.“ auf der Beziehungsebene als „Ich möchte keine Zeit mit dir verbringen.“ und zeige dir mit dieser Aussage, wie ich zu dir stehe, interpretiert wird.

Zum Weiterlesen kann ich u.A. die Bücherreihe „Miteinander reden“ von Friedemann Schul von Thun empfehlen.

Was ist dein bester Tipp für eine gelingende Kommunikation als hochsensible Person mit anderen Menschen?

(Die Links sind zum Teil Affiliate-Links, sodass ich falls du etwas darüber kaufst eine kleine Provision erhalte.)

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